Kurt Tuch 2003 – Vorwort

Vorwort zur Ausstellung Kurt Tuch 2003

Selbstportrait vor Sternenhimmel

2002 zeigte unsere Galerie eine erstaunlich beachtete Ausstellung mit Arbeiten Kurt Tuchs. Durch zahlreiche Gespräche während dieser Ausstellung und Kontakte, die durch diese Ausstellung geknüpft werden konnten, wurde uns bewußt, wie groß der Wunsch nach einer weitergehenden Aufarbeitung des Werkes von Tuch war.
Das Bestreben, Kurt Tuchs Lebenswerk ausführlicher und detaillierter zu durchleuchten, war dann auch der Auslöser für diese Publikation. Der Gedanke erstmalig das Leben und Werk von Kurt Tuch in einer Veröffentlichung für die Nachwelt zu erhalten, löste Faszination aus und weckte in allen an diesem Projekt beteiligten Personen das Bedürfnis, an dieser Würdigung einer solchen Künstlerpersönlichkeit mitzuwirken.

Was bei Kurt Tuch fast wie ein Schicksal einer wohl großen Zahl von Künstlern seiner Zeit aussieht, hat sehr unterschiedliche und größtenteils auch sehr menschliche Gründe.
Da sind zum einen die Kriegswirren, die Ihn veranlassen, neben seiner Tätigkeit in Magdeburg einen Wohnsitz in Wernigerode zu gründen, um dort Ruhe, Kraft und künstlerische Anregung zu finden.
Ebenso dürften die Enttäuschung über die Situation an der Kunstgewerbeschule Magdeburg und seine Versetzung in den einstweiligen Ruhestand und natürlich die damit verbundenen finanziellen Einbußen eine Rolle gespielt haben.
Nicht zuletzt seine Begegnung mit Rudolf Steiner und sein Interesse an dessen anthroposophischen Wirken stellt eine Verbindung zu seinem späteren Wohnort Dornach in der Schweiz her .
Dass er wie viele andere Künstler in Deutschland ein Opfer der Aktion „Entartete Kunst“ wurde und seine Bilder aus den Museen von Bremen, Wuppertal, Halle und Magdeburg entfernt wurden und seitdem als verschollen gelten, darf sicherlich als Schlußpunkt für sein Leben und Wirken in Deutschland gesehen werden.

Es verwunderte uns alle, dass ein so bewegendes und anregendes Gesamtwerk über einen solch langen Zeitraum kaum Beachtung fand.
Ein in sich schlüssiges und an Entdeckungen vielfältiges Œuvre, dass sich über einen solch langen Zeitraum nicht oder zumindest keinesfalls ausreichend im öffentlichen Bewußtsein befand.

Diese zweite Ausstellung versucht, durch die uns zur Verfügung stehenden Bilder sowie die daraus getroffene Auswahl und auch nach dem heutigen Kenntnisstand ein Leben nachzuzeichnen. Ein überzeugtes, konsequentes Leben für die Kunst wird hier für den Betrachter erlebbar.
Eine notwendige Arbeit nach so vielen Jahren des Vergessens ist es, ebenso ein großes Stück Anerkennung.
Parallel zu der Ausstellung erscheint eine erste ausführliche Publikation über Kurt Tuch mit Beiträgen von Frau Dr. Ursel Berger (Georg-Kolbe-Museum, Berlin), Herrn Dr. Gerhard Schneider (Hrsg. des Buches „Verfemt • Vergessen • Wiederentdeckt, Kunst expressiver Gegenständlichkeit aus der Sammlung Gerhard Schneider“), Herrn Philip Kuhn (Villa-Romana-Forscher und Autor), Herrn Dr. Gerd Kley (Magdeburg-Forscher) sowie Frau Stepanka Strähl-Stepan (unterhält ein privates Kurt Tuch-Archiv). Gleichzeitig erscheint ein Ausstellungskatalog.

Wir alle hoffen, dass diese Ausstellung und die Publikation ein Mosaikstein sein werden auf dem Wege, die künstlerische und kunsthistorische Bedeutung Kurt Tuchs wiederherzustellen.

Thomas Stock

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